Mütter und Kritiker

  1. Der Vater kümmert sich nicht ums Kind. Was kann ich tun, um das zu verbessern?
  2. Der Vater zahlt keinen oder zu wenig Unterhalt. Wie kriege ich mehr?
  3. Die Trennungsfaq und andere Väterseiten sind einseitig und negativ
  4. Die armen Väter kommen wohl nicht damit klar, dass ihnen die Frau weggelaufen ist
  5. Was soll die Jammerei, ihr wolltet doch Kinder und seid am Ergebnis selber schuld
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Der Vater kümmt sich sich nicht um das Kind. Was kann ich tun, um das zu verbessern?

Selbstverständlich gibt es auch Väter, die sich weniger um das Kind kümmern wie es für das Kind gut wäre und es gibt Mütter, die das verbessern oder wenigstens verstehen wollen, zum Beispiel weil sie die Fragen des Kindes nach dem Vater nicht ertragen. Zuerst sind grundsätzliche Gründe zu klären: Grosse Entfernung, finanzielle oder räumliche (unzureichende Wohnung) Probleme Umgang wahrzunehmen, berufliche Belastung (nicht selten mitverursacht durch Unterhaltspflichten), neue Partnerinnen des Vaters, die nicht wollen dass sich der Vater in der früheren Familie betätigt (ein entsprechendes Verfahren ging bis ans BVerfG), ein Kind das der Vater gar nicht gewollt hat und deshalb innerlich ablehnt. Insbesondere bei vorher sehr engagierten Vätern gibt es auch den Versuch, mit einem "klaren Schnitt" das als schmerzlich und zweitklassig empfundene Trennungsvaterdasein zu begraben.

Sind keine grundsätzlichen Blockaden vorhanden, wären verbleibende Möglichkeiten:

Was gerne als väterliche Verantwortungslosigkeit gebrandmarkt wird, ist in Wirklichkeit die Verinnerlichung von Wertlosigkeit der Vaterschaft, die Vätern von Recht und Gesellschaft ständig vermittelt wird:

Wehe, wenn das Experiment Familie nicht klappt, dann schaltet dieser Staat erst recht sofort auf das Modell Mutter um. Die Vaterschaft steht immer unter dem Vorbehalt der Beziehung zur Frau. Ist die Mutter fort, löst sich das erlaubte Väterlichkeitsrestchen auf. Die rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen beschränken Vaterschaft nach einer Elterntrennung vor allem auf weitreichende Unterhaltspflichten, alles andere wird als Beiwerk gesehen, das mehr stört als nützt wenn es nicht nach Massgabe der Mutter stattfindet. Wenn Trennungsväter überhaupt einmal auftauchen, dann in Artikeln, in denen sie als Unterhalts-"Drückeberger" oder sonstige Pflichtverletzer positioniert werden. Darüber hinaus wird für Väterthemen gerne ein süffisanter, flapsiger Ton verwendet, der Lächerlichkeit und Distanz vermittelt. Gefordert wird mal der "neue Vater", immer für die Kinder da ist statt für den Chef, mal der "Vorbildvater" und mal der viel arbeitende Unterhaltszahler, der sich nicht vor seinen "Pflichten drückt", in Anlehnung an alte patriarchalische Vorstellungen. Väter müssen ausserdem erst beweisen, dass sie mit ihren Kindern umgehen können, Mütter haben dieses Vertrauen der Umgebung schon im voraus, selbst das hohe mütterliche Übergewicht in der Täterstatistik bei Kindesmisshandlungen und -morden ändert nichts an daran.

Der Vater zahlt keinen oder zu wenig Unterhalt. Wie kriege ich mehr?

Der wichtigste und gewinnbringendste Kindesunterhalt ist Engagement bei der Kindererziehung. Jede Mutter, bei der das Kind lebt, hat das Recht, ihren Teil des Unterhalts in dieser Form zu leisten. Väter ohne immer bei ihnen lebendes Kind haben dieses Recht nicht, gerade deshalb sollten verantwortungsvolle Mütter sie dazu auffordern, vor allem wenn sie finanzschwach sind. So haben Arbeitslose wenig Geld, aber viel Zeit für Kinderbetreuung. In einer intakten Elternbeziehung wäre es gar keine Frage, die verschiedenen Aufgaben je nach Fähigkeiten und Möglichkeiten zwischen den Eltern zu verteilen, aber nach einer Trennung soll alles in ein starres, selten passendes Korsett gezwängt werden: Mutter betreut viel, Vater blecht viel. Deswegen sollte man statt Unterhaltskriege zu beginnen erst einmal fragen, was denn der andere Elternteil leisten kann und gegebenenfalls selbst den finanziellen Teil stärker übernehmen. Kluge Betreuungsmodelle wie das Wechselmodell sorgen als Nebeneffekt von vornherein für weniger Unterhaltsstreitigkeiten.

Neben dem Kindesunterhalt existieren verschiedene Hilfen, die in der Summe den Kindesunterhalt übertreffen können. Ist das Geld wirklich knapp, sollte man abprüfen, ob etwas davon in Frage kommt: Kindergeld erhält man sowieso, ausserdem vielleicht den Kinderzuschlag, Wohngeld, in manchen Bundesländern nach dem Elterngeld noch ein Landeserziehungsgeld, Unterhaltsvorschuss, grössere Kinder können berechtigt für die Bundesausbildungsbeihilfe sein. Sozial/Familienpässe berechtigten zu billigem Einkauf, diverse Vergünstigungen, Stadtranderholung für Kinder.

Mütter, die es darauf anlegen, ohne Kompromisse Unterhalt vom Vater abzukassieren, sollten trotzdem ernsthaft prüfen, ob überhaupt finanzielle Mittel beim Vater vorhanden sind. Dabei darf man nicht auf Reichtumsphantasien wegen eventuell vorhandenen Konsumgütern des Vater verfallen, massgeblich ist sein tatsächliches regelmässiges Einkommen. Eine Kamera oder der neue Computer sind beispielsweise nicht mehr wert wie ein, zwei Monate Mindestkindesunterhalt, gebraucht noch weniger. In Relation zu den extrem hohen deutschen Unterhaltssätzen sind Konsumgüter sehr billig. Das Auto gehört ihm aller Wahrscheinlichkeit nach nicht, sondern der Firma, der Bank, oder einem anderen Dritten. Wo auf Dauer nichts zu holen ist, verursachen entsprechende Versuche nur eigene Kosten, Zeit, Falten und graue Haare. Die Kosten für eine fruchtlose Vollstreckung hat die unterhaltsbegehrende Mutter zu bezahlen. Sie bekommt statt dem erhofften Geldsegen eine dicke Rechnung, um so höher je mehr sie forderte - ein äusserst unangenehmer Aufprall in der Realität für sie.

Jede Unterhaltsberechtigte, die sich zum Unterhaltsrecht beraten lässt, bekommt vor allem in Mütterforen und dem Jugendämtern die tollsten Mittel und Methoden aufgelistet, ein Maximum an Unterhalt zu bekommen. Stichtworte wie "gesteigerte Erwerbsobliegenheit", "darf nicht einfach weniger zahlen", "verboten", "muss", "Lohnpfändung, Kontenpfändung, Taschenpfändung, Sachpfändung", dazu ellenlange Listen von Gründen, für Dieses und Jenes Unterhalt zu bekommen: Unterhalt müsse er zahlen, Kinderbetreuung müsse er bezahlen, Mehrbedarf müsse er bezahlen, Sonderbedarf, Krankenversicherung und jede Menge mehr. Rote Geldtürme bauen sich auf, schwebend und abgehoben von der Realität, hochfliegend über die gesunkenen Reallöhne, von Mangelfällen die längst Normalfälle sind und weit in die mittleren Einkommensgruppen hineinreichen, unbeleckt von Krankheit, Arbeitslosigkeit, Demotivation, Instabilität, persönlichen Grenzen. Der Abgleich zwischen Versprechnungen des Unterhaltsrechts und der tatsächlichen banalen Realität, in der derjenige lebt, der das alles bezahlen zu hat ist jedesmal wie Platzen von Träumen. Wer die Realität nicht akzeptiert, wird endlos hinter Unterhalt herjagen und nichts erreichen ausser verhärmt und frustriert früh zu altern. Erfahrungsgemäss gibt es ein Zeitfenster von höchstens einem Jahr: Was in diesem Jahr nicht kommt, kommt niemals mehr. Die sich dann aufgehäuften Schulden beim Pflichtigen haben ihn vollends sturmreif geschossen.

Viele Mütter sind sich über die Rechtslage nicht im klaren, wenn der Vater nichts zahlen kann. Der Elternteil, der das Kind pflegt und erzieht, erfüllt damit seine Unterhaltspflicht und braucht keinen Barunterhalt zu zahlen (§ 1606 Absatz 3 Satz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches). Er muss jedoch dann den vollen Bedarf des Kindes sicherstellen, wenn der andere Elternteil nicht leistungsfähig ist. Die Mutter ist somit mitnichten aller finanzieller Pflichten ledig, wenn der Vater ausfällt, sondern ist gesetzlich verpflichtet, den Unterhaltsbedarf des Kindes persönlich zu decken.

Die Trennungsfaq und andere Väterseiten sind einseitig und negativ.

Jedem, der Trennungen anders erlebt hat, ist zu gratulieren. Über nicht gehabte Krankheiten spricht man wenig, so auch die Trennungsfaq. Man sichert sich für gewöhnlich auch nicht gegen Gesundheit ab, sondern gegen Krankheit. Immerhin ein Drittel aller Paare mit Kindern schaffen es, sich halbwegs in Würde und Ordnung zu trennen, das soll nicht verschwiegen werden. Leider ist das eine peinlich schlechte Quote für einen so häufigen Vorgang wie eine Trennung.

Nicht die Trennungsfaq ist negativ, sondern das, was betroffene Kinder und Väter erleben. Das basiert nicht auf einseitigen Phantasien oder Einzelfällen, sondern auf nachprüfbaren Fakten, wissenschaftlichen Studien und offiziellen Statistiken. So laufen zum Beispiel 35000 Gerichtsverfahren pro Jahr, initiiert durch Trennungsväter, die gegen den Willen der Mutter mehr Umgang mit ihren Kindern wollen. Nicht die freundliche Trennung ist der Normalfall, sondern Auseinandersetzungen. Nicht die zufriedenen Väter sind der Normalfall, sondern benachteiligte, bei Sorgerecht, Umgang und Unterhalt diskriminierte Väter. Diese Fakten sind eigentlich nicht ignorierbar, werden aber mit grosser Persistenz ignoriert.

Die Trennungsfaq ist aus Sicht von Vätern, Männern und ihren Kindern geschrieben, wie es schon auf der ersten Seite steht. Warum sollte es kein Projekt geben, das Familienrecht aus Vatersicht angeht? Wenn es in manchen Sätzen gelegentlich zu polemischen Überspitzungen kommt, hat das etwas mit den enervierenden Einseitigkeiten zu tun, mit denen sich die öffentlichen Medien immer nur den Frauen-, Mütter- oder feministischen Blickwinkel zu Eigen machen. Die ewige Benachteiligungs- und Unterdrückungsplatte spielen Medien, Frauen, kaum jedoch Männer. Gerade Väter hätten aber am meisten echte Gründe dazu.

Die armen Väter kommen wohl nicht damit klar, dass ihnen die Frau weggelaufen ist.

Der Versuch, eine Personendebatte aus einer Sachdebatte zu machen ist keine Argumentation. Weitaus die meisten Männer weinen den Verflossenen schon recht bald keine Träne nach. Frauen, die so denken nehmen sich viel zu wichtig und überschätzen sich selbst. Sie mag gehen, wohin sie will, aber die Kinder nicht. Mit dem Abschied von den Kindern und der Ankunft von Unterhaltsforderungen ist in der Tat nicht so einfach klarzukommen. Bei einem so essentiellen Thema wie die eigenen Kindern verwundert das nicht. Wer das nicht glaubt, der denkt vermutlich, Kinder wären unwichtige Nebensache, wenn sie Vätern weggenommen werden würden sie schweigen oder nur höflich mahnend mit dem Zeigefinger winken.

In dieser Form geäusserte Kritik wirkt schnell wie ein Totschlagsargument, wie man es oft bei denen findet, die ihre Macht sichern wollen: Jeder, der es wagt, das Familienrecht, Frauen oder den Feminismus kritisch zu beschreiben, sei ein Frauenhasser oder habe "ein Problem mit Frauen". Frauen, die Männer kritisieren oder das "Patriarchat überwinden" wollen, haben hingegen selbstredend kein Problem mit Männern, sondern per se immer recht. "Jammerlappen", "euer verletzter Stolz", "Verantwortungsflüchtlinge" sind dieselbe substanzfreie Schlagwortkategorie. Solche Floskeln sind oft zu hören, sie signalisieren, dass der Gegenseite die Argumente ausgegangen sind. Gegen unendlich perpetuierte Unlogik gibt es keine logische Entgegnung. Die Anklägerinnen haben ihrerseits schon von Anfang an auf Durchzug geschaltet, etwas das Väter erst im Verlauf von fruchtlosen Diskussionen lernen.

Männer haben auch kein Problem mit starken Frauen (die leider jedoch oft noch stärkere - das heutige Mass für Stärke ist die Dicke des Geldbeutels - Männer bevorzugen). Sie haben einfach nur keine Lust, als eierlegende Wollmilcheber die überbordende Erwartungshaltung von Frauen zu befriedigen, weibliche Selbstfindungspirouetten und Wahlmöglichkeiten zu ermöglichen. Frauen sollten sich selber kritisch prüfen, ob sie ihre an Männer gestellten Erwartungen überhaupt selbst erfüllen.

Auch Männer sprechen oft abfällig über Trennungsväter. Das sind meist Fälle von "abwehrbedingter Attribuierung", auch Walster-Effekt genannt. Er dient dazu, abzuwehren, dass einem selbst Gleiches zustossen könnte, man versucht den Unfall zu vermeiden. Je schwerer der Unfall, desto mehr neigen Aussenstehende dazu, kontrollierbare Ursachen (fehlende Anstrengung, Unfähigkeit, Vernachlässigung der Partnerbeziehung) zu suchen und zu glauben, darüber Trennungskatastrophen vermeiden zu können. Ein Irrglaube, wie die Trennungsstatistiken beweisen. Auch Frauen machen verstörende Erfahrungen, nachdem sie lange geglaubt haben, dass sie gar nicht betroffen sind. Nicht wenige werden im Laufe ihres Lebens Partnerin eines Mannes, der bereits einschlägige Erfahrungen mit einer Ex-Partnerin gemacht hat. Oder die gross gewordenen eigenen Söhne kommen unter die Trennungsräder, die Enkel sind weg, weil der Sohn in Ungnade bei seiner Ex-Partnerin gefallen ist.

Was soll die Jammerei, ihr wolltet doch Kinder und seid selber schuld!

Sind keine Argumente vorhanden, werden üblicherweise die drei Standardplatten hervorgezogen:

Das sind Frauenhausparolen - die alten Fabeln von den unschuldigen Frauen und den alleinschuldigen Männern.