3. Umgangspraxis

  1. Hälftige Kinderbetreuung: Phantasie oder durchführbar?
  2. Wie sind die Umgangszeiten für Kinder geregelt?
  3. Die Ex-Partnerin will meinem Kind keine Kleidung zum wechseln mitgeben, wenn es am Umgangswochenende bei mir ist. Darf sie das?
  4. Die Mutter macht mir Vorschriften für mein Umgangswochenende mit dem Kind. Darf sie mitbestimmen?
  5. Umgangsbeschränkung/-blockade zu meinem Kind: Was soll ich tun?
  6. Mein Kind will nicht mehr zu mir
  7. Kann ich mit meinem Kind ohne seine Krankenversicherungskarte zum Arzt?
  8. Wenn kein Umgang mit dem Kind stattfindet
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Hälftige Kinderbetreuung: Phantasie oder durchführbar?

Hälftige Betreuung bedeutet, dass die Kinder die Hälfte der Tage im Jahr bei einem Elternteil verbringen, die andere Hälfte beim anderen Elternteil. Die genaue Aufteilung der Tage ist Organisationssache. Dieses Modell hat erstaunlich viele Vorteile, aber auch einige Nachteile. Andere Namen sind "Wechselmodell", "Doppelresidenzmodell", "abwechselnde Beherbergung", "gemeinsame oder geteilte Betreuung", "alternierende Obhut", "Bilokationsprinzip", auf Englisch "Joint Custody" und "Shared Parenting". Eine Variation ist das "Nestmodell", bei dem das Kind seinen hauptsächlichen Aufenthalt in einer Wohnung belässt, aber die Eltern wechselweise kommen und betreuen. Empfohlen wird es für sehr kleine Kinder.

Im deutschen Familienrecht wird das Wechselmodell meistens als Phantasie ignoriert, aber es ist oft durchführbar. Studien und Fachartikel in deutscher Sprache waren lange nichtexistent, bekannt war nur die Arbeit von Jan Piet H. de Man. Nun erschien von Prof. Sünderhauf ein grosses Werk dazu: "Wechselmodell: Psychologie - Recht - Praxis", das einiges der internationalen Erkenntnisse auf Deutsch bekannt machen will. In Ländern mit weniger rückständigem Familienrecht ist es explizit genannt und erwünscht, so zum Beispiel im französischen Code Civil, wo es ab 2002 sogar zur Rechtsnorm erhoben wird:

Art. 373-2-9: En application des deux articles précédents, la résidence de l'enfant peut être fixée en alternance au domicile de chacun des parents ou au domicile de l'un d'eux. (...Der Wohnsitz des Kindes kann im Wechsel auf den Wohnsitz von jedem der Elternteile oder auf den Wohnsitz eines von ihnen festgelegt werden).

Auch bei Blockade eines Elternteils: À la demande de l'un des parents ou en cas de désaccord entre eux sur le mode de résidence de l'enfant, le juge peut ordonner à titre provisoire une résidence en alternance dont il détermine la durée. Au terme de celle-ci, le juge statue définitivement sur la résidence de l'enfant en alternance au domicile de chacun des parents ou au domicile de l'un d'eux. (Auf Antrag eines der Eltern oder bei Meinungsverschiedenheit untereinander über den Wohnsitz des Kindes kann der Richter einen Wohnsitz im Wechsel provisorisch festlegen, von dem er die Dauer bestimmt. Nach Ablauf dieser Dauer bestimmt der Richter endgültig über den Wohnsitz des Kindes im Wechsel bei beiden Eltern oder am Wohnsitz eines von ihnen)

Fördernd gesetzlich verankert ist Ähnliches auch in Kanada, Australien (Family Law Amendment, Shared Parental Responsibility, Bill 2006, Abschnitt 60B), Belgien (ab 2006, Code Civil Titel IX Art. 374, hier "hébergement égalitaire"), Italien (Gesetz vom 8. Februar 2006, Nr. 5) Tschechien (§26 Familiengesetz) wo überall erwiesen wurde, dass es für Kinder eine gute Nachtrennungssituation sein kann. Jedoch nicht für deutsche Kinder, denn von dieser Erkenntnis ist man in Deutschland noch Jahrzehnte entfernt. Selbst deutsche Familientherapeuten wundern sich über dieses "neue" Modell. Da Anwälte und Helferindustrie weniger verdienen und es neben den Vorteilen für die Kinder auch den Eltern tatsächliche Gleichberechtigung und -verpflichtung bringt, versucht man in Deutschland -wo Mütter traditionell ein Alleinrecht am Kind zugesprochen wird- es nach Kräften unter der Decke zu halten. Die das Familienrecht beherrschenden radikalfeministischen Kreise haben sich tief in ihren Abwehrstellungen eingegraben, beispielhaft dafür ist der tatsachenverdrehende und höchst polemische Aufsatz der gerne öffentlich auftretenden Anwältin Ingeborg Rakete-Dombek im Forum Familienrecht 1/2002 S. 16. Auch andere deutsche Rechtspublikationen hetzen beinahe regelmässig gegen das Wechselmodell. Anwaltsvereine wie der DANSEF sahen sich veranlasst, angesichts der breiten Akzeptanz im Ausland für das Wechselmodell diffamierende Pressemeldungen herauszugeben, das Modell sei "Betreuungs-/Wechselmodelle sind unzulässig". Dies ist ein sicheres Zeichen dafür, dass hier ein ganz wunder Punkt der milliardenschweren Scheidungsindustrie berührt wird. Kommentarloses tiefdunkles Schweigen herrscht seitens aller Justiz- und Frauen-/Familienministerinnen der letzten Jahre, ganz im Gegensatz zu ihren Amtskollegen in den meisten Nachbarländern. Sehen sie deutsche Kinder etwa als einzigartig in der Welt an?

Deutsche Gerichte fordern sogar häufig mit verschiedenen Begründungen, das Wechselmodell zu beenden. Auslöser sind oft Unterhaltsklagen, auch Druck von Behörden. Beantragt ein Elternteil Sozialleistungen, erpressen Behörden gerne Klagen seitens des Sozialleistungsbegehrenden, um damit das Wechselmodell zu beenden und stattdessen an den Unterhalt des anderen Elternteils heranzukommen, damit staatliche Hilfen maximal gekürzt werden können. Es geht dabei allein um die Minimierung eventueller Sozialleistungen um jeden Preis, das Kindeswohl spielt keine Rolle. Auch Einwohnermeldeämter wollen vom Wechselmodell oft nichts wissen und verweigern die Anmeldung einer Nebenwohnung oder einem doppelten Hauptwohnsitz fürs Kind. Beim Vorgesetzten darauf bestehen, Ablehnungen schriftlich verlangen! Im Melderecht gibt es nur einen Hauptwohnsitz, im Zivilrecht zwei gleichwertige Wohnsitze.

Ein jüngerer beliebter Trick der Gerichte und Mütter zielt darauf ab, dem Wechselmodell beantragenden Vater grosszügig eine "fast 50%" - Mitbetreuung zu genehmigen, mit dem Effekt, dass er trotzdem vollen Unterhalt zu zahlen hat, kein Vertretungsrecht für das Kind bekommt, die Mutterwohnung als der gewöhnliche Aufenthalt der Kinder gilt obwohl der Vater trotzdem fast genauso viel Betreuungsleistung für die Kinder wie die Mutter erbringt. Hauptverantwortlich für diesen Trick zugunsten des deutschen Unterhaltsmaximierungsprinzips sind wie so oft die Richterinnen des Bundesgerichtshofs, die nur bei exakt 50% Betreuungsanteil Auswirkungen auf den Unterhalt sehen. Da die gleichzeitige finanzielle und zeitliche Belastung für den Vater auf Dauer schwer zu tragen ist, sollte er das Wechselmodell nur ganz oder gar nicht verfolgen.

Voraussetzungen:

Vorteile:

Nachteile:

Fehlannahmen:

Die Grenzen zwischen "gutem Umgang" und "Wechselmodell" sind fliessend. Warum sollen sich die Kinder nicht auch noch an ein paar zusätzlichen Tagen als nur am Wochenende beim Papa wohlfühlen? Vorausgesetzt, dass Unterhalt kein Streitpunkt ist muss das gelebte Wechselmodell nicht halbe-halbe heissen. Eine exakte 50:50-Regelung ist schwer einzuhalten. Verantwortlich handelnde Eltern vereinbaren eine Toleranzbreite, sehen Puffermöglichkeiten vor: Omas, Opas, Tanten, Onkels und eventuell Freunde als Betreuungsmöglichkeiten eingestreut. Zuerst müssen die Zeiten erfasst werden, in denen die Kinder elterlicher Betreuung bedürfen. Darin eingeschlossen müssen auch die Ferien-, Schulfrei- und Kindergartenschliessungszeiten werden. Darauf basierend werden die festen Zeiten der betreuenden Eltern erfasst. Alle Planungen sind individuell, Verallgemeinerungen können im Einzelfall schädlich sein.

Wie sind die Umgangszeiten für Kinder geregelt?

Es gibt im Gegensatz zu Ländern wie Norwegen keine allgemeine Verordnung über Umgangszeiten im Residenzmodell. Jeder Richter, jedes Urteil, jede Vereinbarung kann unterschiedlich ausfallen. Für kleine Stillkinder wird meistens stundenweise Kontakt 1x pro Woche zugelassen, ab drei Jahren lässt man manchmal auch Übernachtungen zu, ab Schulalter fast immer. Gerichte orientieren sich an den bisher praktizierten Umgangszeiten. Ein Kind, das von der Mutter mit einem Jahr Kontaktsperre zum Vater bestraft wurde, wird eine ganz andere gerichtliche Regelung erhalten wie ein Kind, das bisher schon jedes Wochenende beim Vater war. Eventuell wird erst eine lange Phase der Kontaktwiederaufnahme angeordnet, zum Beispiel durch betreute Umgangstermine. Deswegen ist es sehr wichtig, sofort zu reagieren, wenn der betreuende Elternteil beginnt, den Umgang des Kindes langsam zu drosseln oder zu sabotieren.

Die Ex-Partnerin will meinem Kind keine Kleidung zum wechseln mitgeben, wenn es am Umgangswochenende bei mir ist. Darf sie das?

Nein. Das Kind würde die Kleidung auch benötigen, wenn es bei der Mutter bliebe. Und wie so oft ist das Recht nicht durchsetzbar oder nur unter unverhältnismässigem Aufwand. Als Vater sollte man auf diese klassischen Demütigungsversuche keinesfalls eingehen, sondern selbst Kleidung besorgen - auf Kinderflohmärkten, gebraucht, von Bekannten mit grösseren Kindern und aus ähnlichen Quellen. Das Kind zieht sich bei Ankunft und Abschied um. Die anderen Kleider helfen ihm nebenbei beim Rollenübergang in den anderen Haushalt. Ab einem gewissen Alter macht es Kindern Spass, gemeinsam Kleider zu kaufen. Ein Besuch auf einem Kinderkleiderbazar hat zusätzlichen Unterhaltungswert, es gibt auch gebrauchtes Spielzeug, hinterher kann man Kuchen essen. Wie bei allen kleinlichen mütterlichen Gemeinheiten sollte man aus der Not eine Tugend machen, Hauptsache man geht niemals auf eine Provokation ein.

Die Mutter macht mir Vorschriften für mein Umgangswochenende mit dem Kind. Darf sie mitbestimmen?

Nein. Wer das Kind gerade in Obhut hat, bestimmt nach § 1687 BGB auch was gemacht wird. Der Vater darf genauso wenig vorschreiben, was die Mutter unter der Woche mit dem Kind zu tun und zu lassen hat. Der Vater darf mit dem Kind auch ohne mütterliche Genehmigung beispielsweise in einen Urlaub. Solange die Rückgabezeiten eingehalten werden und das Kindeswohl nicht gefährdet ist, ist das mütterliche hineinregieren abzulehnen. Insbesondere damit verbundene Drohungen sind unzulässig, OLG Frankfurt vom 14.04.2003 - 4 UF 102/02:

Der sorgeberechtigte Elternteil darf eigene Wünsche und Forderungen an den anderen Elternteil nicht durch die Verknüpfung mit der Gewährung des Umgangsrechts mit den Kindern durchzusetzen versuchen.

Inakzeptabel ist hierbei zugleich, dass der sorgeberechtigte Elternteil die Kinder derart in den Konflikt mit dem anderen Elternteil einbezieht, dass infolge des für sie entstehenden Loyalitätskonflikts scheinbar selbst den Kontaktabbruch wünschen. Selbst wenn das Verhalten des umgangsberechtigten Elternteils aus pädagogischer Sicht erheblich zu beanstanden sein sollte, so wäre dies doch - in den Grenzen einer Gefährdung des Kindeswohls - als eigenverantwortliches Verhalten hinzunehmen.

Weibliches Revierdenken, mütterliche Macht und Dominanz führen oft zu absurden Forderungen. Häufig wird gefordert, dass die neue Partnerin des Vaters nicht beim Umgang anwesend ist. Oder die Mutter legt Termine des Kindes in die Umgangszeit des Vaters und verplant damit seine Zeit. Was von diesen Forderungen ignoriert werden kann, sollte einfach ohne weitere Diskussion ignoriert werden. Ansonsten hilft nur eine gerichtliche und punktgenaue Regelung des Umgangs. Wer des lieben Frieden willens nachgibt, gibt unzulässigen Forderungen Raum, macht sich erpressbar, verliert den Respekt (auch vor den Kindern!), lässt das eigentliche Problem anwachsen und gewinnt höchstens etwas Zeit bis zu noch grösserem Ärger.

Umgangsbeschränkung/-blockade zu meinem Kind: Was soll ich tun?

Umgangsverweigerung durch Mütter ist ein äusserst weites Feld und leider fast der Normalfall nach Trennungen. Nach gängiger Rechtspraxis steht das Umgangsrecht de facto nicht durchsetzbar, sondern steht in absoluter Abhängigkeit des Wohlwollens der Mutter. Laut der grossen Väterstudie von Prof. Amendt boykottieren die Ex-Partnerinnen den Umgang der Kinder im Verlauf der Nachtrennungsphase in 40% aller Fälle bei Paaren mit Trauschein, 55% wenn sie keinen hatten. Mögliche Strategien:

1. Sofortiger offizieller Druck:
Die erste Wahl. Zeitverlust unter allen Umständen vermeiden, nicht abwarten und aussitzen. Sofort eine Klage auf eine Umgangsregelung einreichen, auf einen schnellen Termin drängen, Jugendamtsgespräche führen, viele Leute der Helferindustrie (Lebens- und Psychologische Beratungsstellen, Vereinigungen die der Kinderschutzbund, Caritas, Diakonie, Taufpfarrer des Kindes etc.) mit einbeziehen. Das muss alles sehr schnell und konzentriert erfolgen. Wer abwartet, dem wird später mangelndes Interesse am Kind vorgeworfen. Lässt man Zeit ungenutzt verstreichen, führt das zu Entfremdung und grossen Nachteilen vor Gericht. Gerichtliche Umgangsregelungen sind in Deutschland faktisch nicht vollstreckbar, aber einige Mütter sind beeindruckt von Amt und Gericht, fühlen sich geschmeichelt und hofiert von der Aufmerksamkeit, die man ihnen und ihrer Macht entgegenbringt.
2. Geld:
Wer es sich leisten kann: Den Umgang kaufen. Viele Frauen sind käuflich. Durch handfeste finanzielle Vorteile (z.B. 1x jährlich einen Bonus für die "liebe Mutter", zusätzlich zum Unterhalt) wird Kooperationsbereitschaft angeregt. Wer mehr zahlt als er müsste, sollte das aber an ganz konkrete Zugeständnisse knüpfen wie zum Beispiel eine schriftliche Elternvereinbarung. Pauschale Grosszügigkeiten in der Hoffnung auf "gute Stimmung" bei der Gegenseite wecken nur weitergehende Begehrlichkeiten ohne erhöhte Kompromissbereitschaft und sind deswegen grundfalsch. Trennungen in guten wirtschaftlichen Verhältnissen sind nachweislich weniger strittig, Umgangsprobleme seltener. Wer Geld hat, sieht seine Kinder, wie der einzige Väterforscher Deutschlands nachgewiesen hat.
3. Abstand:
Wer ruhig bleibt, sich nicht ärgern lässt, die Helferindustrie soweit möglich ablehnt, keine Kontakte erzwingt, keine Spielchen mitmacht, erreicht damit langfristig noch am meisten. Gar nicht selten fordert dann die Mutter irgendwann ein, was sie vorher verboten hat. Wenn das Kind Stress macht, dann kann die Mutter kein kinderfreies Wochenende geniessen und es erwacht in ihr der Neid auf den unbeeindruckten Vater, an dem ihre Machenschaften abprallen. Dann erinnern sich Mütter gelegentlich wieder an die Leistungen der Väter. Bei primitiven Frauen oder denen, den es um die Installation eines Ersatzvaters geht, nutzt diese Strategie allerdings nichts.

Die Statistiken über langfristig zerbrochene Kontakte zum eigenen Kind nach Trennungen sind speziell in Deutschland katastrophal. Gerade in strittigen Trennungen sehen Väter ihre Kinder häufig nie mehr. Viele Väter kapitulieren verständlicherweise von selbst, anstatt einen meist erfolglosen Dauerkampf gegen die mütterliche Allmacht aufzunehmen. Man muss sehr darauf achten, dass die Trennungskriegsverbrechen der Kindsmutter nicht das eigene Leben permanent vergiften und beeinflussen. Man sollte bei allen aktiven Aktionen um das Umgangsrecht immer die Energie für den eigenen Einsatz vorab deckeln und definierte Grenzen festlegen, sonst nimmt die eigene Psyche schweren Schaden. Vorsicht vor der Leidensfalle: Leiden ist leichter als loslassen.

Häufig werden von Müttern absichtlich Umgangsschwierigkeiten produziert, Umgangszeiten eingeschränkt, willkürlich verlegt, andere Termine des Kindes auf die Umgangstage gelegt, dem Kind der Aufenthalt beim Vater madig gemacht. Kindsmütter werden höchst kreativ, wenn es darum geht ein Sammelsurium an Gängelung und Einschränkung gegen fortbestehende Vater-Kind-Beziehungen des Kindes zum verhassten Expartner anzuwenden.

Als Vater darf man sich unter keinen Umständen emotionell oder finanziell versklaven oder erpressen lassen. Sklaven verlieren jeden Respekt, auch den von ihren Kindern und entwickeln irgendwann körperliche und psychische Krankheiten. Die Gratwanderung zwischen Stillhalten und blindem Aktivismus bleibt für Väter immer schwierig bis unmöglich. Gute Strategien bestehen aus einer Mischung verschiedener Ansätze. Wünschenswert wären zunächst Einigungen zwischen den Eltern, da sie haltbarer und konfliktärmer als fremdbestimmte Lösungen sind, die nur zu Siegern und Verlierern führen. Dabei kann eine Mediation oder systemische Beratung helfen, wozu aber beide Elternteile bereit sein müssen. Spätestens wenn gar nichts hilft oder die Entstehung eines Parental Alienation Syndrome (PAS) beginnt, bleibt nur aufgeben oder ein Versuch mit einer gerichtlichen Umgangsregelung.

Wer sich für den Gerichtsweg entscheidet, sollte so vorgehen:

Gerichtliche Regelungen haben den Nachteil, dass sie mangels Vollstreckbarkeit selten zu einem Erfolg führen, aber Väter unbegründeterweise kaum einlösbare Hoffnungen damit verbinden. Deren Enttäuschung führt erst recht zu endloser Frustration. Nichtsdestotrotz bewirkt auch der gerichtliche Weg etwas: Das Versagen des Rechtssystems wird dokumentiert, es wird belastet und auch das Engagement des Vaters für sein Kind ist später nicht mehr wegzuleugnen.

Wer sich für die Abstandsstrategie entscheidet, sollte folgendes beachten:

Mein Kind will nicht mehr zu mir

Ein häufiger Fall. Wenn die Mutter den Vater ablehnt, übernimmt das Kind oft diese Haltung. Das muss nicht einmal auf bewusster Ebene ablaufen. Loyalitätskonflikte, einzelne reale oder eingebildete schlechte Erfahrungen, mangelnde mütterliche Mitwirkungsbereitschaft bei den Umgangskontakten können andere Gründe sein. Die kindliche Entfremdung kann ein Leben lang anhalten und endgültig sein. Um es zu vermindern, muss man aktiv werden, "aussitzen" wäre eine ganz falsche Reaktion. Auf jeden Fall weiter Kontakt halten, z.B. per Telefon und Briefen.

Zuerst sollte man darauf bestehen, dass die Mutter dem Kind das Mitgehen schmackhaft macht - dies gehört zu ihren Pflichten. Umgang hat nicht immer den Launen der Kinder zu folgen - wenn die Mutter sagt, es solle mitgehen, dann wird es das tun und wird bei richtiger Planung auch Spass mit dem Vater zusammen haben. Versteigt sich die Mutter zu der Ansicht, der "Wunsch des Kindes" müsse respektiert werden, sollte man sie fragen ob das genauso bedingungslos gilt, wenn das Kind beim Umgangstermin einmal nicht zu ihr zurück will oder keine Lust auf die Schule hat, nicht zum Arzt gehen will, vor dem Fernseher bleiben will. Um Dinge zu erreichen, die für die Entwicklung des Kindes wichtig sind, lassen sich Eltern schliesslich ebenfalls vieles einfallen und nicht nur von momentanen Wünschen des Kindes führen.

Sehr beliebt ist die Taktik, die Umgangszeiten des Vaters indirekt zu verplanen. Am Samstag könne das Kind nicht kommen, weil es jetzt Fussball spielt, Musikunterricht hat, bei der Jugendfeuerwehr mitmacht - mitgeteilt über das Kind selber. Fragt der Vater nach, wird er als Blockierer dargestellt, der seinem Kind den Spass nicht gönnt und erzieherisch sinnvolle Dinge ablehnt. Würde der Vater so die Zeiten des Kindes bei der Mutter verplanen, würde das als eine freche Einmischung in ihr Leben und Überlastung des Kindes gewertet. Möglichkeiten, damit zurechtzukommen hängen von vielen Faktoren ab, einfache Lösungen gibt es nicht.

Mütter äussern oft doppeldeutige Sätze, die ein Kind unsicher machen: Willst Du denn zum Papa? Das Kind merkt innerlich, dass es der Mutter nicht recht ist und lehnt ab. Die Mutter kann dann selbstverständlich erzählen, dass sie das Kind ermutigt, aber es wolle ja nicht. Alleinerziehenden- und Müttervereine sowie offen väterfeindliche politische Parteien wie DIE LINKE fordern für diesen Fall statt Ursachenforschung einen Umgangsausschluss oder vermuten eine Diffamierung des erziehenden Elternteils (fast immer die Mutter) und raten zur Einschaltung eines Anwalts. Eine ausgreifende Broschüre ("Allein erziehend - Tipps und Informationen") mit diesem Hinweis wird ganz offiziell vom Bundesministerium für alle ausser Väter verteilt. Broschüren für Väter, zur Massenkrankheit "Umgangsschwierigkeiten" oder dem Parental Alienation Syndrome existieren nicht.

Hilfreich ist es in jedem Fall, wenn jeder Elternteil das Kind zum jeweils anderen bringt, um den Kindern zu zeigen, dass der Umgang erwünscht ist. Stressbelastete Übergabesituationen sind zu umgehen. Ist die Mutter dazu nicht in der Lage oder sieht sie es nicht ein, sollte die Übergabe mit Hilfe von Dritten stattfinden. Vielleicht hilft ein gemeinsames Gespräch bei einer Erziehungsberatung oder dem Jugendamt. Ohne Mitwirkung beider Eltern geht das freilich nicht.

Kann ich mit meinem Kind ohne seine Krankenversicherungskarte zum Arzt?

Krankenversicherungen haben sich bereits auf verweigernde Mütter eingestellt. Früher händigen sie ein Doppel der Krankenversichertenkarten der Kinder an den anderen sorgeberechtigten Umgangselternteil aus. Heute faxt die Krankenkasse dem Arzt eine Bestätigung der Mitgliedschaft per Fax zu. Dies ist immer dann wichtig, wenn zwar der Umgang klappt und die Kinder sich auch für eine längere Zeit (Ferien) beim Umgangselternteil aufhalten, die Kommunikation der Eltern hingegen so gestört ist dass die Krankenversichertenkarten aus Gründen des Misstrauens nicht ausgehändigt werden. Eine Arztbehandlung ist somit unproblematisch möglich, es entstehen auch keine Medikamentenkosten wenn alles zeitnah geltend gemacht wird. Der Vater muss die eigene Bankverbindung angeben, da ansonsten die Erstattung auf das der Krankenkasse bekannte Konto des Betreuungselternteiles überwiesen wird.

Wenn kein Umgang mit dem Kind stattfindet

Auch das Scheitern muss man sich als Vater eingestehen, wenn die Verfolgung des Ziels unrealistisch oder Kindeswohl gefährdend (weil mit dauernden schweren Auseinandersetzungen verbunden) geworden ist. Dann wird es wichtiger, loslassen zu können. Psychologen raten dazu, sich einzugestehen, dass

Aufgeben können kann für den Vater zur zentralen Überlebensfrage werden. Abgetrennte Kinder sind lebendig gestorben, ihr Todesdunst zersetzt das eigene Leben. Trotzdem sollte die Tür vom Kind zum Vater offen bleiben. Kein Mensch kann seine biologischen Eltern negieren, nur der Weg zu ihnen kann blockiert werden. Eine eingetretene Volljährigkeit ändert nichts daran. Beziehungslosigkeit zum abgelehnten Elternteil dauert in mehr als 50 % aller Fälle länger als 22 Jahre an (Quelle: a qualitative study of adults who were alienated from a parent as a child, A. Baker, The American Journal of Family Therapy, 2006).

Für Väter, die nach langen Anstrengungen aufgegeben haben bedeutet das fast immer eine anhaltende Erleichterung. Im Nachhinein wird meistens bedauert, nicht schon früher aufgegeben zu haben. "Aufgeben" bedeutet dabei nicht, Türen zu schliessen, sondern nicht mehr gegen Türen anzurennen, die andere geschlossen haben. Wer mag, kann weiterhin regelmässig Karten und kleine Geschenke zu schicken, dies mit Fotos zu dokumentieren bzw. die Rückläufer ungeöffnet aufbewahren. Post schickt man ohne echten Absender auf dem Umschlag, so dass nicht erkennbar ist, von wem die Sendung stammt. Bargeld und Dinge mit materiellem Wert vermeiden, die Gefahr steigt an, dass die Mutter abkassiert oder sich das Kind gekauft fühlt. Beherrschende Erinnerungen von Kindern ohne Vaterkontakt werden sonst "er versuchte nicht einmal, mir zu meinem Geburtstag zu gratulieren". Mütter, die den Umgang sabotieren, atmen innerlich auf, wenn der Vater nichts mehr von sich hören lässt. Nach aussen hin verdrehen sie es als "der Vater interessiert sich gar nicht für das Kind, er schreibt nicht einmal eine Postkarte". Eine knappe, sachliche Dokumentation der Ereignisse hilft dem Kind später, die Geschehnisse zu verstehen und eventuell aus neuem Licht zu betrachten. Dazu gehört auch ein Ordner mit allen Vorgängen und Daten sowie niedergeschriebene Gedanken an die Kinder. Man sollte Freunde darum bitten, kritisch Korrektur zu lesen, damit nicht unabsichtlich das Leid des Vaters zu beherrschend wird.

Zu den düstersten Kapiteln deutschen Familienunrechts zählen Gerichtsentscheidungen, die den Umgang in einem strittigen Umgangsverfahren für einen bestimmten Zeitraum aussetzen ("das Kind muss zur Ruhe kommen") - obwohl am Verhalten des umgangsnachsuchenden Elternteils dem Kind gegenüber nichts auszusetzen ist. Dann führt der zeitweilige Umgangsausschluss in 90% der Fälle dazu, dass auch nach dem Ausschlusszeitraum kein Umgang mehr zustande kommt (Dr. Michael Karle und Prof. Gunther Klosinski, beide Universität Tübingen, in einer Veröffentlichung im Zentralblatt für Jugendrecht, Nr. 9/2000, S. 343 - 347).

Wer seine Kinder nicht sieht, darf dies weder unter der Decke halten noch zum Kern des Lebens machen. Spätestens nach dem scheitern in eigener Sache muss man seine gewonnenen Erfahrungen erst recht weitertragen und auf allgemeiner Ebene für ein neues Familienrecht kämpfen. Ebenso darf man die wenigen positiven Aspekte der erzwungenen Trennungssituation nicht ignorieren: Wem die Kinder weggenommen und entfremdet wurden, trägt auch keine Verantwortung für sie, muss nicht die Folgen schlechter und bindungsintoleranter Erziehung miterleben. Nicht erziehen zu dürfen bedeutet ausserdem mehr Zeit, mehr Freiheit, mehr Flexibilität, keine zusätzlichen Umgangskosten, Freiheit von Erpressung und Gängelbändern der Mutter, die Kinder und Umgangsfragen für ihre Zwecke instrumentalisiert. Diese Freiheit ist mehr wert wie jahrelange Zersetzung, Erniedrigung und Abschnürung.

Auch ohne Sorgerecht und Umgang gibt es wenige dünne Auskünfte über das Kind, die ein Trennungsvater nach § 1686 BGB einklagen kann: "Jeder Elternteil kann vom anderen Elternteil bei berechtigtem Interesse Auskunft über die persönlichen Verhältnisse des Kindes verlangen, soweit dies dem Wohl des Kindes nicht widerspricht. Über Streitigkeiten entscheidet das Familiengericht". Die Kenntnis der "persönlichen Verhältnisse" des eigenen Kindes wird in der Realität so ausgelegt: Einmal jährlich ein Foto, das der Vater extra zu bezahlen hat (OLG Frankfurt 1 UF 103/00 402), Zeugniskopie (OLG Hamm vom 7.07.2000 8 UF 222/00), Auskunft über ärztlich behandelte schwere Krankheiten (AG Bremen 45 X 219/92 vom 26.9.1992). Genau wie Umgang ist eine Auskunft letztlich nicht durchsetzbar. Für die Mutter kann Blockade aber ein Eigentor sein: Weigert sie sich, Zeugnisse vorzulegen kann das Konsequenzen für den Unterhaltsbezug haben, denn wenn das Kind nicht mehr zur Schule geht, könnte er vermindert werden oder sogar wegfallen.

Besteht gemeinsames Sorgerecht, kann versucht werden, bei Krankenkassen und anderen Stellen direkt Informationen über das Kind zu bekommen, hier ein Mustertext. Grundlage ist dafür § 305 SGB V sowie dem Bundesdatenschutzgesetz § 6 "Unabdingbare Rechte des Betroffenen" und § 19 BDSG "Auskunft an den Betroffenen". Ärzte und Behandlungskosten sind manchmal sehr aufschlussreich. Das Familienrecht erweist sich wie auch bei vielen anderen Problemen als völlig unbrauchbar, erst durch Ausweichen und Anwendung anderer Rechtsbereiche (SGB, BDSG, Melderecht) ist etwas zu erreichen.

Die Pflichten des abgeschnittenen Elternteils werden dagegen streng durchgesetzt. Die mütterliche Verweigerung des gleichwertigen väterlichen Einsatzes wird ganz offiziell mit einer Geldrente belohnt. Unterhalt wird selbstverständlich auch dann in voller Höhe fällig, wenn dem Vater alles bis auf die Zahlungspflicht genommen wurde. Dabei erwirbt die Mutter einen Unterhaltsanspruch zu ihren Händen lediglich dadurch, weil der Vater sein Kind nicht gleichwertig und gleichmässig betreuen darf. Das Geld des Vaters gehört tatsächlich ihm und dem Kind, nicht der Mutter. Viele Väter verbittern an diesem Punkt vollständig und sagen, dass für die Zeiten des Umgangsboykotts oder der Umgangseinschränkung diejenigen aufkommen sollen, die so eine Situation gefördert und unterstützt haben. Sie wollen nicht den gefüllten Geldbeutel abgeben müssen, aber komplett von ihrem Kind entfernt werden. Mit dem Verlust der gelebten elterlichen Sorge geht auch die Fürsorgepflicht verloren, mit der Unterhaltszahlungen begründet werden. Schlussendlich bleibt ihnen als letztmögliche Form des Protests die Zahlungsverweigerung. Sie wird wegen der einschneidenden Folgen auf den Pflichtigen nicht zur Regel, steigt trotzdem enorm an, wenn der Umgang verweigert wird. Wäre sie die Regel, würde das Umgangsrecht wesentlich besser geschützt werden.

Wer zahlt, stützt und füttert automatisch das Unrechtssystem, das ihn entrechtet hat.